
Levin Sparn, der diesjährige Scheffelpreisträger vom Schönborn-Gymnasium, zog in seiner bilderreichen Rede beim Abiball am 07.07.2026 anschauliche Vergleiche zwischen den zehnjährigen Irrfahrten des Odysseus, der von Zeus über die Meere gejagt wird, und der Schullaufbahn. Dabei setzte er die Sirenen mit Tiktok und Instagram gleich, die die Schüler vom Lernen abhielten; die Klausuren seien wie riesige Zyklopen und die Lehrer die Götter vom Olymp, die mit Tablets und Kreide ausgerüstet seien wie der Göttervater mit Blitzen. Odysseus erreichte schließlich seine Heimat. Für die Schülerinnen und Schüler, so das Ende der eindrucksvollen Rede des Preisträgers, ist das Abitur jedoch nur der Hafen, von dem aus es in die weite Welt gehe.
Mit dieser Rede bewies Levin nicht nur seine Kenntnisse im Fach Latein, sondern zeigte sein sprachliches Ausdrucksvermögen, das ihm den Scheffelpreis eingebracht hatte.
Doch was sind Worte? Geht es heute nicht vor allem um die Medienkompetenz, die Schülerinnen und Schüler für ihre berufliche Zukunft brauchen? Um zu mündigen Bürgern zu werden, braucht es Demokratiebildung. Wozu also Literatur, wozu das Jonglieren mit Worten? Wer mit Sprache umgehen kann, der ist gerüstet – so Karl-Heinz Ott, Autor und aktueller Schiller-Gedächtnispreisträger sowie ehemaliger Scheffelpreisträger von 1978, der am Donnerstag, den 16.07., bei der Scheffelpreis-Verleihung auftrat. Mit seiner Rede richtete er sich vor allem an die Abiturientinnen und Abiturienten und machte ihnen Mut: Es gehe nicht ums Wissen allein, das Denken sei entscheidend. Wer den Scheffelpreis gewonnen habe, der hat die Fähigkeit des Denkens längst unter Beweis gestellt.
Alle 47 Schülerinnen und Schüler, die an diesem Abend erschienen waren, um für ihren Preis geehrt zu werden, würden ihren Weg schon gehen, solange sie nur an sich und ihre Fähigkeiten glaubten, schloss der Redner.
Um unter Beweis zu stellen, wie man auch in unserer heutigen Zeit mit künstlerischem Ausdruck in direkte Verbindung mit dem Publikum treten kann, trat Adrian Mulas auf. Der 26-jährige Physikstudent zeigte zu Beginn und zum Ende der Veranstaltung seine Kunst im Poetry-Slam und auch er bediente sich dabei des Lateinischen wie unser Scheffelpreisträger Levin Sparn. Altes Wissen fördert neues Denken!
Bei kühlen Getränken und kleinen Snacks sollte der Abend einen schönen Ausklang finden, als der Göttervater Zeus dann seine Blitze schleuderte. Das Leben bleibt eben eine Odyssee. (Wb)

