
Anfang März unternahm der K1-Biologie-Leistungskurs des Schönborn-Gymnasium im Rahmen der Unterrichtseinheit Evolution eine Exkursion zum Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. Zuvor waren Themen wie Biodiversität, Evolutionsfaktoren und Artbildung intensiv behandelt worden. Der Museumsbesuch bot nun die Gelegenheit, diese Inhalte an realen Exponaten zu vertiefen und anzuwenden.
Zu Beginn erkundeten die Schüler die Ausstellungsräume eigenständig mit Arbeitsaufträgen. Dabei sollten u.a. die Vorderextremitäten verschiedener Wirbeltiere skizziert und deren Angepasstheiten an Lebensweisen und Fortbewegung nachvollzogen werden. So wurde deutlich, wie ein gemeinsamer Grundbauplan auch in so unterschiedlichen Strukturen wie Flossen und Flügeln erkennbar ist.
Im Anschluss fand eine etwa einstündige Führung zur Vielfalt des Lebens und zur synthetischen Evolutionstheorie statt. An ausgewählten Beispielen, z.B. den Angepasstheiten von Walen an das Leben im Wasser, erklärten die Museumspädagoginnen zentrale Mechanismen der Evolution.
Ein weiterer Schwerpunkt der Führung war ein Modell eines Korallenriffs. Hier griff die Museumsmitarbeiterin den Aspekt Koevolution auf und erklärte dies am Beispiel der Symbiose zwischen Muränen und Putzerfischen. Normalerweise reinigen Putzerfische die Zähne von größeren Fischen von Nahrungsresten, wovon beide Seiten profitieren (Nahrung für Zahnreinigung). In der Führung wurde nun auch ein Beispiel für die Nachahmung dieses Verhaltens beschrieben: Manche Fische imitieren das typische Verhalten der Putzerfische, nutzen die Situation jedoch aus und beißen der Muräne in die Zunge, statt ihr die Zähne zu reinigen. Dieses Beispiel verdeutlichte, wie komplex Wechselwirkungen zwischen Arten sein können und welche Rolle Verhalten in evolutiven Prozessen spielt.

Zum Schluss wurde das Thema sexuelle Selektion anhand von Paradiesvögeln erläutert. Viele bekannte Arten der Paradiesvögel besitzen einen besonders auffälligen Federschmuck und zeigen spektakuläre Balzrituale, mit denen die Männchen um die Aufmerksamkeit der Weibchen werben. Diese auffälligen Merkmale erhöhen jedoch gleichzeitig das Risiko, von Fressfeinden entdeckt zu werden. Interessanterweise gibt es auch Paradiesvogelarten, bei denen die Männchen deutlich unauffälliger gefärbt sind. Diese leben häufig monogam und beteiligen sich an der Aufzucht des gemeinsamen Nachwuchses.
Nach der Führung blieb noch etwas Zeit, um weitere bekannte Exponate des Museums zu entdecken, z.B. „Lucy“, ein Skelett von Australopithecus afarensis, das wichtige Einblicke in die frühe Menschheitsentwicklung bietet. Darüber hinaus nutzten einige Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, bereits einen Blick auf das Modell einer Nervenzelle zu werfen – ein Thema, das im kommenden Schuljahr in der Unterrichtseinheit zur Neurobiologie eine zentrale Rolle spielen wird.
Neben den fachlichen Eindrücken bot der Tag im Museum und auf der Bahnfahrt zudem viele Gelegenheiten für Gespräche. (Pa)
(Foto: N.Parlitz)

